als erstes muss ich nachdrücklich erwähnen, dass diese kürzlich zurückliegenden weihnachtsferien ein voller erfolg waren und sich mit den wertvollsten und erinnerungen schmücken können. drei zauberhafte orte an der küste in elf tagen. eine zeit, die in tausend jahren nicht vergessen werden kann.
start war in quito am morgen des achtzehnten dezembers letzten jahres, als wir vollbepackt an der busstation in einen herkömmlichen bus stiegen, der uns innerhalb von acht stunden ins paradies bringen sollte. die fahrt war schläfrig, durchschüttelnd und, was die sicht aus dem fenster betraf, sehenswert. es ist immer wieder etwas besonderes mit dem bus durch ecuador zu fahren, vorbei an kleinen dörfern, weiten landschaften, gigantischen bergen, den interessantesten menschen, wundersamen tieren und einem meist blauen himmel. je länger wir fuhren desto heißer wurde es und ich konnte beinahe das meer durch die busfenster riechen. und ganz plötzlich stiegen wir unter der küstenhitze aus dem bus und waren angekommen, ohne eine ahnung was uns erwarten würde. wir betraten einen sandigen boden in canoa, die sonne glitzerte, die stadt leuchtete und der strand war endlich in greifbarer nähe. nachdem wir unser viel zu kleines hostelzimmer bezogen hatten, gingen wir die überschaubaren paar meter richtung wasser und wurden sehr herzlich vom schönsten strand der ecuadorianischen küste in empfang genommen. daraufhin folgte zugleich der erste kontakt mit dem pazifik und ich kann nicht behaupten, dass meine füße es nicht genossen haben, sie waren nahezu verzückt von temperatur und sanftheit, während sie in der abendsonne das erste mal vom pazifik umspült wurden. wir ließen den abend mit cocktails, einem kleinen abendessen und ein bis vier tänzen ausklingen bevor im wunderschönen canoa ein neuer tag anbrach. an diesem ersten morgen in canoa entstand ein ritual, dass uns den ganzen urlaub lang begleiten sollte und welches mir obendrein jeden morgen den ersten glücksmoment schenkte. so früh wie möglich rannten wir wie auf der flucht so schnell wir konnten ins meer...wach und frisch werden könnte nicht perfekter zelebriert werden als mit einem allmorgendlichen, beherzten sprint ins meer. anschließend gab es frühstück in einem äußerst sympathischen surfercafe direkt am strand mit blich auf das wasser. den ersten tag verbrachten wir natürlich auf handtüchern mit sand an den füßen und nassen haaren an einem besonderen strand. canoa hat den breitesten strand, den ich jemals gesehen habe, denn bis man das wasser erreichte vergingen gefühlte zehn minuten. die meiste zeit in canoa schaute ich aufs wasser und versuchte die bilder, den geruch und die farben zu speichern und zu hoffen es nie zu vergessen. später am tag wechselten wir das hostel und landeten in einem traumzimmer mit balkon und meerblick, was für die folgenden abende ein platz zum träumen wurde. so vergingen die tage in canoa, wir aßen zum ersten mal arroz con camarones (reis mit garnelen) und es war köstlich, denn an der küste kennt man sich aus mit der zubereitung von meeresfrüchten, versteht sich. wir genossen die zeit am wasser und bekamen sonnenbrand bei leichter bewölkung.
am einundzwanzigsten war es zeit weiterzuziehen und als die hähne krähten stiegen wir in den bus, um anschließend mit einem kleinen boot zu einem anderen bus zu fahren, der uns schließlich nach puerto lopez brachte. die reise funktionierte auch hervorragend und wir erreichten nach kürzester zeit unser zweites ziel. puerto lopez schien auf den ersten blick viel größer aber lebloser als canoa, es gab viele menschen auf den straßen aber ich hatte das gefühl es fehlte etwas, dass ich nicht genau benennen kann. wir erreichten ohne probleme unser sehr hübsches und liebevoll geführtes hostel in einer seitenstraße des malecon, in dem wir für zwei nächte unterkommen sollten. der erste weg in puerto lopez führte uns ohne kompromisse in richtung wasser, schließlich mussten wir den ersten vergleich anstellen. ich mochte den strand mit seinen unzähligen fischerbooten und tausdenden vögeln, die pausenlos um den fischmarkt direkt am strand kreisten. allerdings muss ich mit verlaub bemerken, dass ihm, im vergleich zu canoa, die weite fehlte, die tiefe und eine kleine portion charme. ich mochte ihn aber er hat den sprung in mein herz nicht geschafft. am abend saßen im sand und ließen uns von einem reizenden sonnenuntergang unterhalten, bevor wir früh unsere betten suchten. das morgendliche ritual am kommenden tag fiel nicht ganz so eindrucksvoll aus, denn es regnete und der pazifik war an diesem morgen noch leicht unterkühlt. trotzdem taten wir was dazu gehört, hielten die luft an und sprangen in die wellen. am selben tag stiegen wir erneut auf ein boot, um eine der sehenswertesten attraktionen zu besichtigen, die puerto lopez zu bieten hat. wir waren auf dem weg zur isla de plata, eine vierzehn quadratkilometer große insel, die circa zwanzig kilometer vor der küste ecuadors liegt. die fahrt im glitzernden sonnenschein und tobenden wellen zur mittagszeit dauerte ungefähr eine stunde und ich genoss die natürlichen schwankungen. angekommen auf einer insel wie vom gemälde, starteten wir mit dem guide einen fußmarsch über unbekanntes gelände. es gab zwei wege zum auswählen, einen für die mutigen hitzeimmunen und einen für die, die lieber einem hitzeschlag aus dem weg gehen wollten. also teilte sich die menge und die sonne brannte bereits auf den ersten metern ohne rücksicht. die wanderung über stock, stein, brücke und blatt dauerte ungefähr anderthalb stunden und auf dem weg begegneten wir circa alle zehn meter einem oder mehrerer blaufußtölpel, die es nur auf den galapagos inseln und auf der isla de plata gibt. diese besonderen vögel haben, wie ihr name ohne rücksicht vorwegnimmt, blaue füße und brühten auf allen wegen der insel. die kinder haben weißes flauschiges fell, die männer piepsen, die frauen schreien und brüllen wie bullen bei gefahr. sie waren überall und wir mussten zahlreiche umwege gehen, um die latent agressiven weibchen nicht wütend zu machen. nach der wanderung gingen wir zum schnorcheln über und ich hatte ja keine ahnung, hatte es mir nie vorgestellt, hatte es nie in erwägung gezogen und war über alle maßen beeindruckt. wir schnorchelten in circa fünf meter tiefem wasser, sahen riesenhafte schildkröten, unidentifizierbare pflanzen und tausende fische. die farben kann ich nicht beschreiben und das gefühl ist ein gemisch aus gesunder aufregung, spontaner neugier und faszinierender fassungslosigkeit. erschöpft und voll von neuen bildern brachte uns das boot zurück ans ufer von puerto lopez und wir gingen nach einem sit in mit den anderen teilnehmern des trips seelig ins bett. der folgende tag war der tag des abschiedes, jedoch konnten wir vorher nicht auf eine letzte sensation des ortes verzichten. so fuhren wir mit einem motorad, dass platz für vier fahrgäste hatte, zum national park los frailes. allerdings besichtigten wir nicht das gesamte geländer, weil die zeit nicht ausgereicht hätte aber wir verbrachten einige zeit am strand, der an eine eisame erinnerte, keine menschenseele weit und breit, nur wir und tausende äußerst beschäftigte krebse. am dreiundzwanzigsten gegen frühen nachmittag verabschiedeten wir uns von puerto lopez und saßen mit guten erinnerungen in einem überfüllten bus weiter richtung süden.
am späten nachmittag erreichten wir einen kleinen küstenort, der in den einschlägigen reiseführern als attraktivster ort an der küste, gerade für junge leute, verkauft wird. ¡montañita! gleich am bus wurden wir von einem jungen, langhaarigen mann mit straßenkünstlerflair angehalten, der uns ein billiges hostel versprach. so trapten wir ihm hinterher durch einen zaun in einen hinterhof und schließlich in ein verwinkeltes baumhaus bis unter das dach. es war spartanisch und sicherlich nicht ganz unbewohnt aber für die erste nacht sollte es uns genügen, denn vielmehr kann man für sieben dollar kaum erwarten. der erste abend verlief noch relativ ruhig mit eine gemütlichen runde in einer bar. auf den straßen gab es allerhand künstler, feuershows, fliegende keulen und sich überschlagende menschen. es war laut, aufregend und spannend. die nacht war es ebenfalls, dennoch fand ich genug schlaf, um am nächsten morgen mit einem guten gefühl zu erwachen. es war der weihnachtsmorgen und ich stohl mich früh aus dem hostel, um den tag am meer zu begrüßen. die sonne schien noch müde aber wenig schüchtern und am strand tobten nur die hunde im knöcheltiefem wasser. es war sicherlich kein klassischer weihnachtsmorgen aber einer der schönsten, die ich je getroffen habe. nach einem leichten frühstück wechselten wir das hostel und schlenderten mit den riesen rucksäcken bis ganz weit hinten über den strand, wo wir mit frohen erwartungen das kleine tor zum vorgarten durchquerten. zum wasser waren es schätzungsweise zehn meter, gerade weit genug, um sich der sache bewusst zu werden, und zum ausblick von der dachterrasse muss ich nicht mehr viel sagen. wir bezogen das ausreichend angenehme zimmer und tollten quasi schon n unserem privaten strand vor dem haus. die kommenden stunden verbrachten wir mit frisbee spielen und immer wieder frisch realisieren, dass weihnachten ist. um zwölf uhr ecuadorianischer zeit legten wir mit den füssen im pazifik eine minute zum gedenken an das deutsche weihnachtsfest ein, wir feierten also fast zweimal. als die sonne langsam unterging, wurde sehr schnell sichtbar, dass dieser sonnenuntergang an jenem abend ein besonderer war. er war nicht wie all die anderen, er war länger, intensiver, röter, hinreißender und beinahe weihnachtlich. er passte zu einem besonderen tag! mit dem zauberhaftesten sonnenuntergang aller zeiten im rücken gingen wir leichtfüßig die lange strecke über den strand bis zum kern von montanita und waren auf der suche nach einem angemessenen abendessen. schnell fanden wir ein angebot für ein cena de navidad und so warteten und warteten...das angebot war so gut, dass das lokal voll besetzt und die kellner bis zum kragen überfordert waren. unsere gänge kamen durcheinander, die vorspeise zum nachtisch, die getränke zum mittendrin aber es hatte viel charme. es war ein chaotisch schönes weihnachtsessen. wir saßen gute drei stunden und als es mitternacht wurde füllten sich die straßen zunehmend mit menschen, musik und leben. es war heilig abend unter palmen und lauer nachtluft. die nacht wurde lang und der tag schnell hell. es war dieses jahr ein anderes weihnachten, es war nicht vergleichbar und es reiht sich ein in andere besondere heilig abende. die weihnachtsfeiertage verstrichen mit viel glück, spaß, sand, wellen, lachen und langen abenden. montanita ist unfassbar klein und versteckt so vieles, was man erst auf den zweiten blick erkennt, bunte farben, aussergewöhnlich interessante menschen, besondere momente und atemberaubende erlebnisse. am siebenundzwanzigsten reisten wir gegen mittag mit schweren herzen ab und es fiel schwer dass schöne montanita mit strand und sonne einzutauschen gegen die großstadt guayaquil, die eigentlich unsere letzter stop der reise war. guayaquil ist die größte stadt ecuadors und nach drei stunden im bus war das herz bei der anreise kein stück leichter. zu allem übel war die großstadt stickig, laut und geruchsintensiv und als wir das hotel im zentrum erreichten, musste eine entscheidung getroffen werden, gehen oder bleiben und wir gingen, zurück zum bus, zurück nach montanita für die verbleibenden zwei tage. gegen abend also saßen wir wieder an dem strand, der uns verzaubert hatte und waren so froh. mit sicherheit war es keine vernunftsentscheidung, guayaquil hat mit sicherheit einiges, dass gerne gesehen worden wäre aber das meer hat gerufen und es gab nur den weg zurück. so verbrachten wir zwei weitere traumhafte tage im paradies und bereuten die rückkehr keine minute. am neunundzwanzigsten aber mussten wir endgültig adios sagen und das konnten wir mit mit einem guten gefühl tun. wir saßen wieder im bus und ich schaute vorerst ein letztes mal vom bus aus aufs glitzernde meer vor montanita bevor ich einschlief. um zwanzig vor sieben am abend ging unser flugzeug nach quito und nicht einmal eine stunde später landeten wir in der dunkelorangefarbenen hauptstadt mit einem rucksack randvoll an unvergesslichen bildern.
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