wohnen ist eines der angenehmsten angelegenheiten hier in ecuador, denn cumbayá ist sicher, schön, ruhig und hat fast alles was man braucht um gut überleben zu können. das haus ist ein wunderbares zu hause mit einem großzügigen wohnzimmer, einer schönen küche mit spartanischer aber ausreichender ausstattung und diversen zimmern mit betten und schränken. es gibt eine waschmaschine in einem extra dafür angelegten raum hinter der küche, große fenster und das beste ist eine dachterrasse direkt über uns, denn wir wohnen im zweiten stock der villa. sonnenbaden also inbegriffen solange es die zeit zulässt. mitbewohner gibt es einige, die ich mit folgenden attributen beschreiben möchte. aylin (20): quirlig- spritzig- frisch, jean (23): fürsorglich- entspannt- verantwortungsbewusst, nadine (27): lieb- fleißig- offen, elisa (28): schlumpfig- authentisch- entschlossen. elisa ist besonders wichtig, denn wir leben in einem zimmer, in einem aussergewöhnlich schönen zimmer mit rundfenster und begehbarem kleiderschrank. die kommunikation stimmt, die insbettgehzeiten auch, genauso wie das ab und zu abendliche gequatsche über wichtiges oder belangloses. man könnte sagen eine perfekte zimmer-wg. liebenswert sind sie, nebenbei gesagt, ohne ausnahme alle. an den tagen sieht man sich zwischendurch in den freien zeiten und in der zweistündigen mittagspause trifft man sich zum essen im wohnzimmer. nach feierabend ist es oft das gleiche bild, fünf personen, einige mit kopfhörern geschmückt beschäftigen sich intensivst mit dem quadratischen elektronischen gerät vor sich und erledigen an- und ausstehende emails und kontakte. es ist sicherlich ein amüsierendes bild aber es hat charme, den charme der gemeinsamkeit. von zeit zu zeit allerdings wird ein film geguckt, ein spiel gespielt oder gemeinsam gekocht und an den wochenenden gibt es sowieso meistens gemeinsame aktivitäten. was außerdem erwähnenswert ist, sind die nachbarshunde (taos, linda und kakio), die, mit verlaub, nicht die schlauesten zu sein scheinen. sobald sich gute wie böse menschen, tiere, insekten, fusslen oder starke windböen nähern, wird hemmungslos gebellt, gejault und hektisch umhergerannt. besonders anstrengend sind die nächte, denn bei dunkelheit scheinen die hunde grundlos alles anzubellen, was sich bewegt und das mit voller inbrunst und überzeugung. gerade am anfang hat mich dieser umstand einige stunden schlaf gekostet, mit der zeit allerdings gewöhnt man sich wohl daran. wenn es kalt ist, wird es unangenehm, denn heizungen sind hier nicht verfügbar, aber unser vermieter hat zum glück eine lösung für das problem mit den undichten fenstern gefunden. er gab uns einfach eine decke mehr, dann passt das schon, denn so funktioniert das. von zeit zu zeit gibt es probleme mit dem wasser, dem internet und der waschmaschine, was in ecuador einfach dazu gehört aber ansonsten lebt es sich sehr entspannt in der via lactea 715.
essen in anderen ländern ist immer ein interessantes thema und so will ich dieses interesse auf diesem wege hier stillen. ecuador verfügt leider nicht über eine sehr ausgefallen küche, die man als spezifisch für diesen teil der welt bezeichnen könnte. aber ich habe noch fünf montae zeit, um einigen kulinarischen besonderheiten zu begegnen. in vielen restaurants gibt es traditionell desayuno, almuerzo und cena, also frühstück, mittagessen und abendbrot. allerdings kann ich nur zum almuerzo aussagen treffen, traditionelles desayuno oder cena habe ich noch nicht genossen. almuerzo jedenfalls ist immer sehr üppig, deshalb machen wir das sehr selten, denn gibt es eine suppe als vorspeise und gleich im anschluss einen großen teller meist mit mehreren beilage wie reis, kochbananen, pommes und dazu huhn oder anderes fleisch. leider ist für das hauptgericht selten gemüse vorgesehn, was aber sehr vermisst wird obwohl man sich erzählt, dass sich schon einmal etwas gemüse auf einen teller verirrt haben soll. zum nachtisch wird verschiedenes obst gereicht. sehr delikat finde ich jegliche art von yuka, eine wurzel, die hier in unterschiedlichen arten zubereitet wird, als beilage, außerdem gibt es pan de yuka und auch diverse andere dinge. meine lieblingsfrucht ist die grenadilla, ein rundes ornagsfarbenes gebilde mit einer optisch unappetitlichen füllung, die an froschlaich erinnert aber unbeschreiblich frisch und delikat ist. wir nehmen aber fast alle mahlzeiten zu hause ein, weil es billiger ist und wir gesünder kochen wollen. es gibt oft salat, verschiedene eiergerichte, viel gemüse und obst, welches wir im pueblo nur circa zwölf minuten entfernt kaufen. gemüse und obst sind sehr billig, schokolade oder ähnliches sehr teuer. optimal! abgesehen davon sind süßigkeiten hier nicht besonders genießbar was sich hervorragend mit unserem sportprogramm verbindet. eine besonderheit der ecuadorianischen küche gibt es doch: cuy, dieses im ganzen auf dem grill zubereitete meerschweinchen ist hierzulande eine ausserordentliche delikatesse und es liegt auf vielen straßeneckengrills zum verkauf bereit. ich denke ich werde es versuchen in einer koscheren umgebung, schließlich ist es eine art nationalgericht und um mir ein repräsentatives urteil bilden zu können, muss ich es wohl oder über probieren. ansonsten schmecken einige jugos (säfte) sehr gut, wobei man sehr stark darauf achten muss wo man sie kauft. mit einem jugo bekommt man ohne große mühe eine elegante lebensmittelvergiftung, da viele mit leitungswasser gemacht werden und das verträgt unser europäischer körper äusserst schlecht. nadine kann ein lied davon singen, sie hat das für uns in erfahrung gebracht und sagt: "gern geschehen".
gearbeitet wird jeden tag im ersten stock der villa, denn dort befindet sich die sprachschule (siehe link rechts oben) mit sieben seminarräumen, welche unterschiedliche farben haben: pink, blau, grün, gelb, weiß, orange und lila. insgesamt sind wir sieben lehrer, wir fünf praktikanten und die beiden chefs. beide chefs leiten die europaschule seit circa anderthalb jahren und es entwickelt sich gut, denn die schülerzahl steigt. wir haben alle unterschiedliche arbeitszeiten und die schule ist montag bis freitag von neun bis zwölf und von zwei bis acht geöffnet, dazwischen ist mittagspause. die meisten kurse finden allerdings abends statt, da viele klienten schüler sind und tagsüber auf den bänken ihrer oftmals deutschen schulen sitzen. es gibt in ecuador und besonders in quito eine menge deutscher schulen. unsere jüngste schülerin ist zwei, der älteste ist anfang siebzig und die einen wollen englisch und andere wollen deutsch lernen, die einen zum vergnügen, die anderen für die schule oder für das studium, manche sind mehr motiviert, manche weniger. ich unterrichte überwiegend kinder und jugendliche sowohl in englisch als auch in deutsch aber deutsch fällt mir leichter. englische grammatik auf spanisch zu erklären ist zwar nicht unmöglich aber in der tat eine herausforderung aber es funktioniert wenn es muss. ich habe mehrere einzelschüler, was sehr angenehm ist und bisher eine gruppe bestehend aus drei jungs, was auch seine vorteile hat. im gruppenunterricht entsteht mehr dynamik und die schüler können sich gut gegenseitig helfen, denn oft haben sie nicht alle den gleichen wissensstand. in den ersten drei wochen hatte ich anlaufschwierigkeiten, denn ich musste mich erst einmal mit all dem auseinandersetzten: mit dem stoff, mit den schülern, mit der unterrichtssituation und natürlich mit meiner rolle als lehrkraft. vor allem die kommunikation ist ein thema, denn man muss selbstverständlich, zumindest mit schülern eines niedrigen sprachniveaus die landessprache beherrschen, um seine lehraufgabe erfolgreich erfüllen zu können. das war nicht einfach aber man wächst sozusagen hinein, findet seinen platz und entwickelt eigene unterrichtsstrategien, wobei auch die gewöhnung an die schüler und deren gewöhnung an mich seine zeit braucht. nun nach vier wochen kann ich behaupten, dass ich schon viel dazu lernte und schließlich meinen platz in der schule gefunden und eingenommen habe. am schönsten ist es, wenn es anfängt spaß zu machen, wenn man sieht, dass die schüler spaß haben und vor allem erfolge feiern können. es ist der beste lohn für einen lehrer, wenn er sieht, dass seine arbeit beginnt früchte zu tragen. ich werde vermutlich noch viele verschiedene schüler unterrichten, denn mein stundenplan ändert sich quasi wöchentlich. die ecuadorianer sind sehr flexibel was absprachen und verabredungen betrifft aber das ist wie so vieles auch hier eine reine gewöhnungssache.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen