den weg zum kleinen bruder kann man von quito aus mit einer seilbahn , dem teleférico, erreichen, der uns auf eine höhe von circa 4.100 metern beförderte. die aussicht aus den gondeln, welche nachvollziehbar intensiv an den snoboardurlaub erinnern, war atemberaubend. quito lag unter den schwebenden kabinchen und glitzerte in der sonne, es war mit abstand einer der wunderschönsten und sonnigsten tage, die ich hier gelebt und erlebt habe. keine wolke lag zwischen sonne und erde, was die ohnehin beeindruckenden farben auf dem weg nur intensivieren konnte. oben angekommen war die luft merklich dünner aber nicht zu dünn, um die landschaft zu übersehen. das riesengroße quito wirkte schon von 4.100 metern wie eine spielzeugstadt aus papier.
nach den ganzen "oh´s", "ah´s" und vielen begleitenden fotos liefen wir los, ließen unsere füsse ihre arbeit tun und genossen die bilder. es ging bergauf, dann wieder bergab, zwischendurch abstrakt schräg und beängstigend abschüssig. wir stiegen buchstäblich über stock und stein, durch hohes sowie niedriges gras, auf breiten und schmalen pfaden und schließlich über lockeres geröll. es gab pausen, unter anderem um pferde zu streicheln, imposante fotos zu erhaschen oder einfach zu rasten, zu genießen, die nase in die sonne zu strecken und momente zu speichern. meter für meter kamen wir dem ziel näher, der gipfel kam näher, zeigte sich mal hier mal da deutlicher und versteckte sich im nächsten moment wieder in den wolken. zwischenzeitlich verloren wir die kraft doch nach einem tiefen atemzug und dem blick zurück auf das, was wir schon geschafft haben, trugen uns die beine wieder von alleine in die höhe. mit untermalender musik auf den ohren hatte dieser marsch etwas von einer mission, immer mit dem ziel vor augen und dem bisherigen weg im rücken. viel andere menschen teilten den weg, die überholten uns, blieben plötzlich stehen, liefen weiter vorärts, und manchmal überholten wir sie wieder. zwischenzeitlich hatte ich das gefühl meine beine liefen ohne meine hilfe, sie hatten dieses ziel und sie wollten es erreichen, koste es was es wolle. es gab abgründe, flüsse, sattgrüne grashügel, todesmutige motorradfahrer, kälte, hitze, wolken und allerhand besondere pflanzen auf dem Weg nach ganz oben.
nach drei schönen, qualvollen und mutigen stunden erreichten wir die spitze des kleinen bruders auf 4.690 metern und es scheint unmöglich das gefühl der ankunft zu beschreiben, vor allem weil die letzten fünfzig meter vielmehr einem kampf als einer wanderung glichen, denn auf einer solchen höhe ist das atmen keine leichtigkeit mehr und jede bewegung raubt mehr und mehr kraft. dennoch entschädigte uns die sicht von der spitze aus für alle anstrengungen und qualen. wir saßen über und in den wolken über klein quito und neben uns stumm all die anderen erschöpften wanderer. hier und da lag etwas schnee zwischen den spalten des gipfels doch zu weit entfernt, um ihn berühren zu können. wir verschnauften, staunten, genossen und traten den rückweg an als sich der himmel plötzlich sekundenschnell zuzog und uns zudem mit beißender kälte überraschte.
die ersten meter des rückweges waren ein glücksspiel inmitten des dicken nebels und jeder sichere schritt brachte erleichterung bis der himmel schnell wieder klar wurde und die schritte sicher saßen. beim abstieg gab es ebenso viel zu sehen und zu bestaunen und auch wenn kraft gespart werden musste, liefen wir hier und da einen schritt zu, einfach aus euphorie, aus freude über die aussicht. unten angekommen allerdings standen uns die vergangenen sechs stunden sichtlich ins gesicht geschrieben und wir saßen wie fünf schlückchen bergwasser in der gondel, ließen uns leicht tragan und fühlten uns dennoch tonnenschwer. zu hause angekommen wartete nur noch eine heiße dusche, ein tee und das warme bett.
schließlich genoss ich es über alle maßen diesen weg gegangen zu sein, einfach zu laufen...zu laufen...zu laufen und dabei nichts zu denken. ich hatte das gefühl ich habe diese stunden nicht einen bewussten gedanken gehabt. scheinbar ein effekt des wanderns, vielleicht ein individueller aber sehr bereichernd.
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